Grafiken Felix Hammesvaar

Herzlich Willkommen auf der ersten Seite meiner Homepage, denn das Thema „Positive Menschlichkeit“ beschäftigt mich bereits seit fast fünfzig Jahren. Auf den folgenden Seiten können Sie den Text meines Vortrags und die Vorabveröffentlichung in der Nummer 20 unseres Organs DER TUSCULANER lesen.

Schon sehr früh „erfand“ ich diese Bezeichnung und in einem 1989 gegebenen Interview begründete ich meine Gedanken über die - aus meiner Sicht - sehr eingrenzende, jedoch weit verbreitete Formulierung „Menschlichkeit“. Sie ist seit Generationen mit Güte, Humanität, Würde, moralischem Bewusstsein, also mit Wertigkeiten eines Menschen belegt. „Negative Menschlichkeit“ gab es im Sprachgebrauch leider nicht. Man setzte dafür Adjektive wie „animalisch“, „unmenschlich“, um nur zwei Beispiele zu nennen, ein. Ein „Unmensch“ war eine „Bestie“ und vom „Menschsein“ weit entfernt. Das war gängige Meinung.

1890 erschien ein Roman von Émile Zola mit dem Titel „La bête humaine“ und, nach der deutschen Übersetzung „Das menschliche Tier“, entstand 1939 von Jean Renoir der Film nach diesem Roman.  Die deutsche Fassung hatte den Titel „Bestie Mensch“. In jenen Jahren gab es auch den Massenmord an den so genannten „Untermenschen“. Die Legitimation für die Hinrichtungen war die einseitige Festlegung „lebensunwerten Lebens“. Aus solchen Gründen war und ist es für mich nicht hinnehmbar, irgend einem Menschen zuzugestehen, nach seiner – möglicherweise subjektiven Einschätzung und Be-/Verurteilung – einem anderen Wesen seiner Gattung, das „Menschsein“ abzusprechen. „Mensch“ ist die  Substantivierung von „menschlich (männlich)“ und dieses Adjektiv ist von dem Substantiv „Mann“ abgeleitet.

Mir konnte nicht einleuchten und ich wollte nicht hinnehmen, dass zunächst nur dem Mann zugeschriebene (löbliche) Eigenschaften ausreichen sollten, die hoch eingeschätzten „Menschlichkeit“ zu definieren. „Positive“ und „negative“ Menschlichkeit fanden so - um 1972 - Eingang in meinen Sprachgebrauch.

Warum belegt man eine stumpfsinnige und humorlose Haltung eines Menschen mit dem Ausdruck „tierisch ernst“? Warum wird mit einer scheinbar rationalen Begründung verbrämte Grausamkeit mit „tierischer als tierisch“ angeprangert? Was haben Tiere mit Menschen gemeinsam? Sicher auch Triebhaftigkeit. Das Recht eines Menschen, bei unwürdigem Handeln eines anderen Menschen, statt der eindeutigen Aussage „negative Menschlichkeit“, ins Tierreich zu flüchten, um einen passenden Ausdruck zu finden, ist mir zu einfach. Es ist eine Flucht vor der (wenn auch schmerzenden) Erkenntnis, dass „ein mieser Typ“ sehr wohl „positive Menschlichkeit ausstrahlen kann“, wie Vera Geisler in ihrer Rezension des Films „Geständnisse“ in „split-screen“, der wöchentlichen Kinokolumne, eindeutig formulierte.

Sollte es immer noch eines Beweises bedürfen, führe ich „Das Experiment“ an, einen Thriller aus dem Jahr 2000, der in beängstigender Form zeigt, dass ein Mensch jede Hemmung verliert, einem anderen Gewalt anzutun, gibt man ihm nur die Möglichkeit, ungestraft zu bleiben. Sven Jörges formulierte, dass in diesem Film nur „im Angesicht der eigenen simulierten Situation“ eine einzige „positive Menschlichkeit“ bleibt.   

Mit großem Dank empfand ich in der ehemaligen DDR die selbstverständliche Aufnahme bei den Menschen, wenn ich zu Lesungen eingeladen wurde und die mir geschenkte Offenheit, das Teilhaben an den Texten, die ich vortrug. Vor allem aber die Ernsthaftigkeit, die mir entgegen gebracht wurde, empfand ich als Geschenk. Meinen fast fünf Jahre währenden Aufenthalt in einer Stadt, die in Mecklenburg-Vorpommern, auf der einmalig schönen Insel Rügen, liegt  - ich rede von der Fürstenresidenz Putbus - werde ich nie bereuen. Ich habe dort Freunde gewonnen und Menschen kennen lernen dürfen, die mir zeigten, die mich fühlen ließen, dass „positive Menschlichkeit“ keine Utopie mehr sein muss. Ihnen - und wenn Ihr dies lest - Euch zum Dank, versuche ich, mich dem liebenden Verständnis gegenüber, würdig zu erweisen.

Dies will ich meinem folgenden Aufsatz und meiner Rede voraus schicken.        hand01_next.gif

Heinz Nied

Psychlogischer Berater – Rezitator seit 1961

Freischaffender Journalist 

 

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